Jobsuche Update!

Gruppenfoto von dem neuen Nando's Team in Hereford

Wie ich bereits hier berichtete, habe ich mich in den letzten Monaten auf Jobsuche begeben. Erleichtert kann ich jetzt sagen, dass ich erfolgreich war und schon seit drei Wochen bei der südafrikanischen Restaurantkette Nando’s angestellt bin. Nun habe ich mir gedacht, dass es vielleicht ganz interessant für andere potentielle Auswanderer wäre, mal ein bisschen von dem Bewerbungsverfahren (sprich recruitment) zu erzählen.

Angefangen hat alles mit einer Onlineanzeige und einem CV (Lebenslauf) vor ca. zwei Monaten; gefolgt von einem unangemeldeten Telefoninterview. Da habe ich gleich mal meine erste Lektion gelernt. Natürlich sollten Recruiter so etwas vorher anmelden (zumindest haben mir das meine englischen Freunde so gesagt), allerdings hindert die natürlich nichts daran einfach kurz durchzuklingeln und zu fragen, ob man gerade Zeit hätte. In meinem Fall war ich nicht Zuhause mit meinem Lebenslauf für genau diesen Job, sondern shoppen. Ich hätte dem Mann am Telefon vielleicht bitten können, mich in einer halben Stunde zurückzurufen, aber die Konkurrenz schläft hier definitiv nicht und ich wollte meine Chance nicht verspielen. In dem Telefonat kamen dann die typischen Interviewfragen: Warum bist du für diesen Job geeignet? Warum möchtest du diesen Job? – aber auch (zumindest meiner Meinung nach) unerwartete Fragen wie: Wie isst du am liebsten dein Hühnchen? Was hattest du, als du bei Nando’s das letzte Mal essen warst? Ansonsten ging es noch um organisatorisches: Wie kannst du arbeiten? Kannst du zur Trainingswoche kommen? Diese Trainingswoche ist auch noch ein interessanter Punkt, aber dazu später mehr.

Einige Tage später wurde mir dann telefonisch grünes Licht zum eigentlichen Bewerbungsgespräch gegeben, welches eigentlich auch ganz entspannt verlief. In meinem Fall ging es (Gottseidank) weniger darum mich in den Vordergrund zu stellen (à la: beschreibe deine Stärken/Schwächen), sondern mir wurden potentielle problematische Szenarien beschrieben und meine Aufgabe war zu beschrieben, wie ich sie lösen würde. Zum Beispiel: Was würdest du tun, wenn eine Frau mit einem jungen Kind und vielen Einkaufsbeuteln ins Restaurant kommt? Wie verhältst du dich, wenn dem Kunden das Essen nicht schmeckt oder er findet, dass die Portion Pommes zu klein ist? (ein echtes Problem in diesem Land 😉 ) Solche Fragen finde ich weitaus besser, als dieses „Erzähl mir von dir“-Zeug, wo ich mir eh alles ausdenken kann. Abgesehen von diesen Fragen kam (natürlich) raus, dass ich Deutsche bin und somit wurde auch kurz über den Nürburgring geplaudert – was meiner Nervosität auch etwas den Wind aus den Segeln genommen hat. Letztendlich habe ich auch diese Etappe erfolgreich hinter mich gebracht und wurde zum nächsten Interview eingeladen – einem assessment day.

Dieser assessment day (assessment = Beurteilung) ist quasi ein Auswahlverfahren, bei dem alle Bewerber eingeladen werden und verschiedene Aufgaben gemeinsam lösen müssen. Bei uns gab es vorher auch noch eine Präsentation über das Unternehmen selbst und welche Vorteile für uns drin sind. Die Aufgaben selbst hatten mehr Spielcharakter als alles andere. Wir wurden in kleinere Gruppen eingeteilt und dann war eine Aufgabe zum Beispiel: Baut einen Turm aus A4-Blättern und Heftklammern. Während wir also am basteln waren, wurde von mehreren Managern genau beobachtet und ausgewertet, wer sich wie in der Gruppe verhält – ruhig, laut, hilfreich, unproduktiv, etc. Am Ende der Gruppenspiele hatten wir alle noch einmal ein kurzes Einzelinterview – und dann wurde uns auch schon nach 24 Stunden Bescheid gegeben, ob wir den Job bekommen haben oder nicht. Echt nicht schlecht, wie ich finde! Vor allem natürlich, weil ich den Job gekriegt habe 😉 .

Mein letzter Schritt war dann das erfolgreiche Bestehen der Trainingswoche, für die ich sogar bezahlt wurde. Es war eine recht lange und anstrengende Woche, aber wenn der Rubel rollt, geht es doch immer besser ;).
Letztendlich ist eine Jobbewerbung in England nicht sonderlich anders als in Deutschland. Allerdings gab es schon ein paar Sachen, die mich zumindest verwundert haben. Zum einen, dass ich insgesamt drei Interviews und ein großes Gruppenevent für letztendlich einen einfachen Job in einem Restaurant hatte. In Deutschland hatte ich das mal alles in einem Tag: Einzelinterview und Gruppenaktivitäten danach – fertig! Zum anderen fand ich, wie bereits erwähnt, die ganze Atmosphäre entspannter als das bei meinen deutschen Bewerbungsgesprächen der Fall war. Das hängt aber wahrscheinlich eher mit der englischen Mentalität zusammen, dass man sich mit dem Vornamen anredet, egal welche Position man in einem Unternehmen hat oder wie viele Doktortitel man hat. Auch konnten wir zum assessment day leger gekleidet kommen, was mir auch sehr gut gepasst hat. Das wiederum ist aber wahrscheinlich Nando’s spezifisch, da es einfach ein etwas gechillteres Unternehmen ist.

So viel erst einmal zu meinem ersten komplett in England stattfindendem Bewerbungsverfahren. Ich war sehr aufgeregt, mein Kreislauf war komplett hinüber, aber ich habe es hinter mich gebracht und denke, dass da noch das ein oder andere folgen wird.

Wer selbst sich für einen Job in England bewerben will / bewirbt, kann mir gerne eine email (anni [at] annikanns.de) oder einen Kommentar schreiben und ich versuche mit meiner unendlichen Erfahrung (husthust) zu helfen :)

Bis bald,

Anni

Autor: Anni

26 / BA Anglistik, Germanistik / Expat / London / Leipzig / zukünftig: Junior Web Developer :)

2 Gedanken zu „Jobsuche Update!“

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